Eine unabhängige Plattform für das Cloud Computing

Die Entscheidung für eine Cloud ist eine Entscheidung für das Leben. Das muss aber gar nicht sein. Das Unternehmen Exor stellt mit der Corvina-Plattform, „JMobile“ und der entsprechenden Hardwareinfrastruktur Lösungen zur Verfügung, mit denen Anwender von kompletter Offenheit und Skalierbarkeit profitieren und trotzdem neue Geschäftsmodelle in Angriff nehmen können. Die Redaktion sprach exklusiv mit Olaf Prein, Geschäftsführer der Exor Deutschland GmbH, darüber.

Cloud-Computing-Strategie mit der Corvina-Plattform (alle Bilder: Exor)

Was soll man eigentlich unter Cloud Computing verstehen?

O. Prein: Eine gute Frage! Cloud Computing bedeutet erstmal nichts anderes als die Bereitstellung von IT-Infrastruktur, vor allem Rechenleistung, und Anwendungssoftware als Dienstleistung über das Internet. Kaum ein Schlagwort ist in den vergangenen Monaten in der IT- und Automatisierungswelt häufiger aufgetaucht. Ein Ende ist nicht abzusehen. Oft ist unklar, was jeweils mit „Cloud“ gemeint ist. Dabei gab es bereits lange vor dem inflationsartigen Verwenden des Wortes „Cloud“ Dienste im Web, die heute als Cloudservice bezeichnet werden. Das Wolkensymbol wird heute stellvertretend in Übersichtsgrafiken an der Stelle platziert, bei der es um das Internet geht.

Das liegt sicher auch daran, dass für Automatisierungstechniker und Produktionsverantwortliche das Cloudthema noch recht nebulös ist. Darunter wird es klarer.

Olaf Prein ist ­Geschäftsführer der Exor Deutschland GmbH

O. Prein: Das ist richtig.  Die interne Infrastruktur mit Firewalls, Routern, Datenbanken, Analysetools, File- und E-Mail-Servern sowie Endgeräten wird zumeist detailliert dargestellt. Der Datenverkehr wird mit Linien zu einer gezeichneten Wolke versinnbildlicht. Für den Datenaustausch hat sich in den letzten Monaten immer mehr abgezeichnet, dass sich Protokolle, wie OPC UA und MQTT, durchsetzen werden.

Wenn Anwender aus der Industrie Cloud Computing einsetzen wollen, was suchen sie dann?

O. Prein: Anwender erwarten eine maßgeschneiderte, jederzeit skalierbare Lösung zu kalkulierbaren Kosten. Dabei wollen sie sich zumeist mit der internen Technologie gar nicht auseinandersetzen. Ziel ist vielmehr, sich die Daten der Maschine oder der Anlage einfach auf dem Tablet oder Mobile Device anzeigen zu lassen. Darüber hinaus muss die gesamte Technologie offen sein. Hier kommen nur Webtechnologien infrage. Offene Schnittstellen ermöglichen es dem Anwender, weitere Dienste zu adaptieren.

Wie können Sie Anwender dabei unterstützen?

O. Prein: Wir stellen mit Corvina – das ist übrigens eine überaus schmackhafte italienische Rebsorte – eine offene und skalierbare Entwicklungsplattform als Platform as a Service („PaaS“) zur Verfügung. Corvina ist für das Erstellen und den Betrieb von Geschäftsanwendungen ausgelegt. Dafür ist die Virtualisierung unabdingbar, um auf derselben Hardware verschiedene Mandanten versorgen zu können. Es werden Dashboards mit eigenem „Look and feel“ kreiert, welche webbasierend ohne zusätzliche Software alle wichtigen Informationen anzeigen. Bei Corvina steht ein leistungsfähiger Service-Bus im Zentrum, der auf „JMobile“ basiert. Dieser Core-Service-Bus managed alle Events und sorgt für die entsprechende Distribution. Dabei werden neue Webtechnologien verwendet, um den Kundenwünschen nach hoher Event-Geschwindigkeit und großen Datenmengen gerecht zu werden. Die Daten werden aus den Endgeräten sowie den Maschinen und Anlagen per OPC UA oder MQTT transferiert.

Plattformunabhängige Dashboards mit allen wichtigen Informationen

Was wird als IoT-Gateway verwendet?

O. Prein: Unsere Corvina-Plattform ist komplett offen. Wir als Exor haben die komplett offene X-Plattform entwickelt, die sich durch Durchgängigkeit und Skalierbarkeit auszeichnet. Das Produktportfolio dieser Plattform zur Steuerung und Bedienung erstreckt sich von auf Hutschienen montierbaren Geräten, über Schaltschrank-Einbaugeräte bis hin zu feldtaug­lichen IP67-Geräten. Alle Produkte basieren auf Yocto Linux mit der OSADL-Echtzeiterweiterung. Sämtliche relevanten Schnittstellen der Automatisierungsebene werden unterstützt, inklusive des Standards IEEE 802.1 TSN (Time Sensitive Network). Als Kommunikationsprotokoll dient hier der OPC-UA-Pub/Sub-Standard. Damit steht ein IoT-tauglicher Kommunikationsstandard mit Echtzeitverhalten zur Verfügung. Das Modulkonzept ermöglicht es, die Geräte mit beliebigen Schnittstellen sowie Ein- und Ausgängen zu erweitern. Neben der GPRS-Anbindung sind Funkschnittstellen, wie „WiFi“, NFC und Bluetooth, integriert.

Wie werden die Applikationen für die X-Plattform erstellt?

O. Prein: Mit der Framework-Softwarelösung „JMobile Studio“ lassen sich beliebige Applikationen intuitiv und professionell für die X-Plattform erstellen. Für die einfache Cloud-Programmierung ist Node-RED im „JMobile-Studio“ integriert. Damit werden Nodes und Flows für die Kommunikation in die Cloud erstellt. Moderne Softwaretechnologien, wie Docker, QT, SVG, Node js und HTML5, kommen bei der Plattform zum Einsatz.

Datenserver als IT-Infrastruktur für die Corvina Cloud in lokalen ­Anwendungen

 

Flexible Canvas Widgets ermöglichen dem Benutzer die Gestaltung einer bedienerfreundlichen Navigation, einer besseren Übersicht der Verwaltung mit Remote- und Reportwerkzeugen und einer besseren lokalen oder dezentralen Bedienung. Die „JMobile“-Client-Server-Architektur basiert auf aktuellen Webtechnologien, die dem Benutzer eine zukunftsorientierte Steuerung und Fernüberwachung über jeden Browser und jedes Gerät, zum Beispiel Smartphone, Tablet oder Computer, ermöglichen.

Wenn von Industrie 4.0 die Rede ist, heißt die Empfehlung immer: Starten statt warten. Allerdings besteht die Sorge vor der Abhängigkeit von den großen Cloud­anbietern. Was empfehlen Sie hier?

O. Prein: Für den Einstieg in das Cloud Computing bieten wir eine „Out of the Box“-Lösung. Hierfür gibt es zwei unterschiedliche Server.

Für kleine bis mittlere Datenserver-Anwendungen eignet sich der „eXserver105“. Dieser Server ist mit Intels ­neuen Apollo-Lake-I-Prozessoren ausgerüstet. Der lüfterlose Box-PC ist das geeignete Modell, um erste Erfahrungen mit der Corvina Cloud zu sammeln. Für industrielle Anwendungen, die hohe CPU-Leistung erfordern, eignet sich der „eXserver3800R“ mit den Intel-Core-i7/i5/i3-Prozessoren der sechsten Generation. Der lüfterlose PC hat ein integriertes Raid-System.

Beide Server ermöglichen es, die Corvina Cloud lokal in der Fabrik zu verwenden. Dies kann aber auch von einem Dienstleister mit Rechenzentrum irgendwo auf der Welt übernommen werden. Zugegriffen wird über das Internet. Bei unserer Corvina-Plattform brauchen Anwender sich nicht auf speziellen Anbieter, wie Microsoft, Amazon oder IBM, festlegen und können sich jederzeit dort integrieren.

Offene X-Plattform für Durchgängigkeit und Skalierbarkeit auf der Automatisierungsebene

Also eignet sich Corvina vor allem für Einsteiger?

O. Prein: Nein, nicht nur. Mittelständische und große Unternehmen verfügen in der Regel über eine bestehende Infrastruktur und können es sich nicht leisten, auf eine eigene Basis zu verzichten – zu groß ist das Risiko der totalen Abhängigkeit. Daher bietet sich eine hybride Cloudstrategie an: Das Kerngeschäft läuft auf eigenen Infrastrukturen, während weniger wichtige Bereiche oder plötzliche Bedarfsspitzen via Cloud Computing abgefedert werden. Mit Corvina gibt es eine Plattfom, die eine offene, flexible, skalierbare, erweiterbare und leistungsfähige Cloudlösung zur Verfügung stellt, die genau diesen Anforderungen gerecht wird.

www.exor.de

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