Intelligente Transportsysteme: Vier Anbieter und ihre Lösungen im Vergleich

Die Industrie 4.0 mit einer flexiblen Fertigung bis hin zu Losgröße 1 verlangt nach neuen, modularen und dynamisch anpassbaren Maschinenkonzepten. Innovative Antriebslösungen, gepaart mit optimaler Automatisierungstechnik und Softwarekompetenz, stehen dabei im Mittelpunkt intelligenter Transportsysteme. Welche Strategien dabei von Automatisierungstechnikher­stellern verfolgt werden, zeigen die Unternehmen B&R, Beckhoff, Mitsubishi Electric und Rockwell Automation.  

Die Edelstahlausführung in Schutzart IP69K eröffnet XTS von Beckhoff nun auch Anwendungsbereiche mit hohen Hygieneanforderungen (Bild: Beckhoff)

Die unterschiedlichen Lösungsansätze für intelligente Transportsysteme haben ganz verschiedene Historien: Als erstes präsentierte Beckhoff zur Hannover Messe 2012 sein „eXtended ­Transport System“ (XTS). Die Idee dahinter: Die Vorzüge des rotatorischen und des linearen Antriebsprinzips in einem System kombinieren. „Auf diese Weise eröffnen sich neue Lösungsansätze bei der Realisierung kompakter und hochdynamischer Maschinenkonzepte. Dabei lassen sich auch mechanisch kaum oder nur sehr aufwendig lösbare Bewegungsauf­gaben per Software komfortabel und flexibel realisieren“, sagt Uwe Prüßmeier (Bild links, Quelle: Beckhoff), Produkt­manager XTS bei Beckhoff Automation. „Innovations-potenziale erschließen sich überall dort, wo Kreativität und ­Maschinenbau zusammenfließen – egal ob bei der einfachen Linearbewegung eines ,Schlitten-Movers‘ oder als intelligentes Transportsystem innerhalb eines Industrie-4.0-Konzepts.“

Beim Antriebssystem XTS handelt es sich um einen im Kreis fahrendenden Linearmotor, bei dem der Motor zusammen mit Leistungselektronik und Wegerfassung vollständig in eine Baugruppe integriert ist. Es können ein oder mehrere kabellose Mover auf einer nahezu beliebigen, modularen und flexiblen Streckenkonfiguration hochdynamisch mit Geschwindigkeiten bis zu 4 m/s bewegt werden. „Die Mover sind als ,normale‘ Servoachsen abgebildet und völlig getrennt voneinander steuerbar, bei Bedarf aber auch
pro­blemlos aufeinander synchronisierbar. Funktionen, wie automatisches Aufstauen, Kollisions- und Ruckvermeidung, sind direkt in die Automatisierungssoftware Twincat integriert“, so U. Prüßmeier.

Das – auch als vollgekapselte Edelstahlausführung XTS Hy­gienic für Lebensmittel- und Pharmaanwendungen verfügbare – XTS bietet hinsichtlich der Applikationsanforderungen, zum Beispiel an Geometrie, Mover-Anzahl und Funktionsumfang, fein skalierbare Anpassungsmöglichkeiten. „Dies beginnt bei einfachen Anwendungen, wie der rein linearen Bewegung eines Schlitten-Movers und der Erweiterung durch einen zweiten Mover zu einem XY-Tisch. Mit dem Schließen der modular aufgebauten Geometrie aus Motormodulen und Führungsschienen entsteht schließlich ein Endlos-Linearsystem mit einer dem ­jeweiligen Bedarf anpassbaren Mover-Anzahl“, erklärt der ­Experte. Weiter steigern lassen sich die Komplexität durch die Kombination mehrerer XTS-Systeme, die Nutzung umfassender Twincat-Funktionsbausteine und die Integration der Robotik. „Wird all das zusammen mit Condition Monitoring und objekt­orientierter Steuerungsprogrammierung konsequent genutzt, ergibt sich ein ganz im Sinne von Industrie 4.0 hochintelligentes Maschinen- bzw. Produktionsmodul“, sagt U. Prüßmeier.