Start-up verbindet Sensortradition mit IoT-Diensten und -Services

Am 1. Januar 2017 wurde Neoception als Tochterunternehmen von Pepperl+Fuchs gegründet. Als eigenständiges Start-up im Firmenverbund ist es für die Entwicklung von IIoT-Lösungen zuständig. Die Vision: Aus Big Data echte Mehrwerte für Kunden generieren. Im Interview berichtet Dr. Jörg Nagel, Director Technology and Operations, von seinem ersten Jahr, den Erfolgen, den Herausforderungen und den weiteren Zielen.

 

 

Dr. Jörg Nagel, Director Technology and Operations, hat das Konzept für die Neoception mit entwickelt (Bild: Neoception)

Herr Dr. Nagel, Neoception wurde vor gut einem Jahr als Start-up mit drei Mitarbeitern gegründet. Wie hat sich das Unternehmen seit dem entwickelt und welche „Meilensteine“ haben Sie bislang erreicht?

 

 

 

Dr. J. Nagel: Unser Resümee für das erste Jahr ist sehr positiv: Wir hatten einen großartigen Start. Unser erstes Ziel war ein schneller, wirtschaftlicher Erfolg, der uns dank unseres bereits jetzt schon großen Netzwerks an Partnern gelungen ist. In der Zwischenzeit ist unser Team auf neun Mitglieder angewachsen, die täglich im Dienste unserer Kunden und zur Entwicklung neuer Technologien unterwegs sind.

 

 

 

Welche Vorteile sehen Sie darin, als eigenständiges Start-up agieren zu können? Wie nah sind Sie dabei an Ihrem Mutterkonzern Pepperl+Fuchs?

 

 

 

Dr. J. Nagel: Die Eigenständigkeit gibt uns sehr viel Handlungsfreiheit. Wir nutzen sie, um schnell auf äußere Veränderungen zu reagieren. Teil unserer Mission ist es, für die Pepperl+Fuchs-Gruppe neben dem reinen Komponentengeschäft neue Märkte zu erschließen. Dabei hilft uns „unsere Freiheit“, schnell auf sich ändernde Anforderungen unserer Kunden reagieren zu können. Wir leben flache Hierarchien. Jeder bei uns im Team bringt sich aktiv ein und übernimmt Verantwortung für laufende und zukünftige Projekte.
Natürlich entwickeln wir auch Lösungen und Services für Pepperl+Fuchs und Pepperl+Fuchs-Komponenten. Wir sind darauf jedoch nicht begrenzt. Das erlaubt es uns, unsere Expertise im Cloud-, Connectivity- und Businessumfeld auch direkt für unsere Kunden und deren Produkte einzusetzen.

 

 

 

Ihr Slogan lautet „I4.0-Dienste vom Feldgerät bis zum echten Mehrwert“. Bitte erläutern Sie noch einmal Ihr konkretes Konzept und Leistungsangebot.

 

 

 

Dr. J. Nagel: Wir sehen uns als One-stop-Shop für kleine und mittelständige Unternehmen, die eine hohe Expertise in der Entwicklung und Konstruktion ihrer Maschinen und Anlagen haben, die Vorteile der digitalen Produktionswelt nutzen und ihre Produkte mit neuen Services oder Geschäftsmodellen verbessern möchten. Dabei beraten wir von der Idee bis hin zum fertigen Produkt und entwickeln die benötigten Technologien.
Neben der projektbasierten, individuellen Erstellung von Applikationen für unsere Kunden entwickeln wir horizontale Lösungen, beispielsweise für die Prozessindustrie, die den sicheren Einsatz von Cloudtechnologien in großen Produktionsanlagen ermöglichen.

 

 

 

Können Sie bereits ein bis zwei herausragende Umsetzungsbeispiele zum Thema „I4.0-Dienste vom Feldgerät bis zum echten Mehrwert“ nennen?

 

 

 

Dr. J. Nagel: Mitte letzten Jahres durften wir unsere Lösung zur Integration von Feldgeräten der Prozessautomatisierung auf dem Digitalgipfel in Ludwigshafen demonstrieren, nachdem wir die Lösung erfolgreich bei unserem Kunden BASF in einem Proof-of-Concept umgesetzt hatten. Neoception lieferte dazu die Technologie zur automatisierten Anbindung der Feldgeräte in die SAP-Cloud-Plattform, die neben weiteren Vertretern der Bundes- und Landesregierung auch unserer Kanzlerin Dr. Angela Merkel präsentiert wurde.

 

 

 

Was waren bzw. sind die größten Hürden, auf die Sie in Ihrem täglichen Business gestoßen sind bzw. stoßen und wie begegnen Sie diesen?

 

 

 

Dr. J. Nagel: Die Bereitschaft, neue Technologien auszuprobieren und sich mit neuen Geschäftsmodellen zu beschäftigen, ist sehr groß. Dennoch sehen wir aktuell in der Industrie etwas Unsicherheit, konkrete Entscheidungen zur Umsetzung der doch recht investitionsintensiven Projekte zu treffen. Wir begegnen diesem Umstand mit einer intensiven und vertrauensvollen Beratung unserer Kunden. Im Rahmen dieser Beratung entwickeln wir die Grundlagen zur Berechnung der Wirtschaftlichkeit konkreter Projekte und legen systematisch eine Grundlage für eine spätere Entwicklung potenzieller digitaler Services. Zunächst beweisen wir die technologische Machbarkeit und holen durch Mockups erstes Feedback zukünftiger Nutzer ein. Erst wenn beides abgeschlossen ist, beginnen wir damit, den Kern des zukünftigen Services umzusetzen. Zunächst entsteht ein System mit einer minimalen Kernfunktionalität, die später sukzessive um weitere Funktionen ergänzt wird. Durch kontinuierliches Feedback haben unsere Kunden die Möglichkeit, die Entwicklung zu steuern, um den Service optimal an ihre Bedürfnisse anzupassen.

 

 

 

Im Zeitalter von Industrie 4.0 und IoT stehen Kooperationen und IoT-Plattformen hoch im Kurs. Sind das auch für Neoception Themen, die Sie außerhalb des P+F-Firmenverbunds angehen (werden)?

 

 

 

Dr. J. Nagel: Wir sehen es ebenfalls so, dass die Herausforderungen von Industrie 4.0 und IIoT nicht im Alleingang zu bewältigen sind. Unsere Lösung für die Prozessindustrie ist ein gutes Beispiel dafür, dass man im Bereich Industrie 4.0 und IIoT nur gemeinschaftlich erfolgreich sein kann. Im konkreten Fall arbeiten wir hier partnerschaftlich mit Herstellern, wie Samson, Endress+Hauser, Hilscher, Pepperl+Fuchs und SAP, zusammen.

 

 

 

Wir glauben daran, dass in sich abgeschlossene Services nur dann erfolgreich sein können, wenn sie in sich einen monetären Mehrwert für die Nutzer darstellen. Plattformen können hier unter gewissen Umständen begünstigend sein, vor allem, wenn es um die Kollaboration oder den standardisierten Datenaustausch zwischen Firmen geht. Generell lassen sich digitale Services aber auch ohne Plattformen sehr gut ineinander inte­grieren.  

 

 

 

Die Hannover Messe steht unmittelbar bevor. Welche Schwerpunkte werden Sie hier setzen; welche Highlights erwarten die Besucher Ihres Messestands?

 

 

 

Dr. J. Nagel: Wie im letzten Jahr freuen wir uns darauf, auf dem Stand von Pepperl+Fuchs mit vertreten zu sein. Besucher können dort erleben, wie eine intuitive Integration von Feldgeräten in IT-Services stattfinden kann. Zusammen mit Partnern machen wir die Verwaltungsschale erlebbar und demonstrieren, wie durch Pepperl+Fuchs-IoT-Sensorik in Zusammenarbeit mit Lösungen der SAP die Nachschublogistik revolutioniert werden kann. Auch die Anbindung von RFID-Lesestellen an Cloudanwendungen, ohne Integrationsaufwand, können Besucher entdecken.

 

 

 

Auf Stand des „eCl@ss e.V.“ erleben Besucher in Hannover, wie durch semantische Datenmodelle IoT-Anwendungen revolutioniert werden können. Der gezeigte Demonstrator entstand unter der Schirmherrschaft des Vereins in enger Zusammenarbeit zwischen der Helmut-Schmidt-Universtät Hamburg und Neoception.

 

 

 

www.neoception.com

 

 

 

www.pepperl-fuchs.com

 

 

 

Hannover Messe 2018: Halle 9, Stand D76

 

 

 

www.eclass.eu

 

 

Hannover Messe 2018: Stand C14 in Halle 8

Top-3-Interviews

Prof. Dr. Uwe Kubach, SAP: M2M im Internet der Dinge - IT trifft Industrie 4.0

Frank Maier, Lenze: Industrie 4.0 seit 70 Jahren

Prof. Dr. Markus Schneider, PuLL Beratung GmbH: Lean Manufacturing im Zeitalter von Industrie 4.0

Aus der Praxis

Wenn Mensch und Roboter in Einklang arbeiten: Die Leichtbauroboter von ABB und Kuka im Einsatz

Die Smartwatch im industriellen Einsatz: Asys, In-Tech und Monkey Works berichten über Lösungen

Digitale Zwillinge optimieren in der virtuellen Welt die Realität: Siemens gibt Einblicke in die Entstehung der Nanobox Simatic IPC227E

Seminare

Von Techniktrends bis zu Management-, Normungs- und Sicherheitsthemen – das aktuelle Seminarprogramm im Überblick:

» Automatisierungstechnik
» Informationstechnik
» Normen und Sicherheit
» Elektrotechnik
» Mess- und Prüftechnik
» Energietechnik
» Organisation/Management/Recht