One Cloud, Hybrid Cloud, Multi Cloud – Die richtige Entscheidung treffen

Die Akzeptanz für Cloudlösungen ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Das spürt auch der Managed-Cloud-Anbieter Plusserver. Für mehr als 4.000 Unternehmenskunden ent-wickelt und betreibt das Kölner Unternehmen hybride Hosting-Lösungen. Diese verbinden dedizierte Infrastruktur (Hosting/On-Premise) mit Colocation und verschiedenen Cloudmodellen. Dabei werden Kunden auch bei der Orchestrierung verschiedener Public Clouds, wie AWS oder Azure, unterstützt. Im Interview berichtet COO Holger Müller über Vor- und Nachteile der einzelnen Lösungen, Trends und erfolgreich realisierte Projekte.

Holger Müller ist seit Juni 2018 Chief Operating Officer bei der ­Plusserver GmbH in Köln. Zuvor war er Mitglied der Geschäftsleitung und Director IT Infrastructure & Security bei Axians IT Solutions (Bild: Plusserver)

Herr Müller, in Deutschland ist der One-Cloud-Ansatz weitverbreitet. Dennoch verfolgt Plusserver als deutsches Unternehmen  das Hybrid- bzw. Multi-Cloud-Konzept. Verkomplizieren solche Lösungen den Aufwand für Kunden nicht zusätzlich? Bitte erläutern Sie die Vorteile Ihres Ansatzes für Ihre Kunden.

H. Müller: Auf den ersten Blick scheint der One-Cloud-Ansatz die einfachste Lösung für Unternehmen zu sein. Allerdings ist die ausschließliche Nutzung eines einzigen Hyperscalers nur für Born-in-the-Cloud-Unternehmen in der Praxis überhaupt möglich. Dies sind Start-ups und junge Firmen, die von Anfang an auf die Skalierbarkeit und Agilität der Public Cloud setzen. Unternehmen, die bereits länger im Geschäft sind, verfügen hingegen über Legacy-Anwendungen, die sich aus wirtschaft­lichen, Compliance-, Performance- oder Verfügbarkeitsgründen nicht in die Public Cloud verschieben lassen.

Die Zahlen im Cloud Monitor 2018 von Bitkom und KPMG bestätigen dies: 31 % der befragten Unternehmen nutzen die Public Cloud, während der größere Teil mit 51 % auf die Private Cloud setzt. Auch die Mehrheit unserer Kunden nutzt Private-Cloud-Set-ups in unseren Rechenzentren. Der Trend geht jedoch klar in Richtung Shared-Umgebungen sowie hybriden Set-ups mit einer starken Tendenz zu Amazon Web Services (AWS) und Google Cloud. Zudem ergeben sich Multi-Cloud-Set-ups in ­Unternehmen recht schnell: Im Collaboration-Umfeld ist Office 365 von Microsoft führend. Im E-Commerce-Umfeld setzen unsere Kunden zunehmend auf AWS und Google Cloud. So ist man schon mitten in der Multi- und Hybrid-Cloud-Welt angekommen.

Grafik aus dem Cloud Monitor 2018 von KPMG und Bitkom Research

Beim One-Cloud-Ansatz gilt es außerdem, die Gefahr des Vendor-Lock-ins zu bedenken. Das bedeutet, dass sich ein Unternehmen abhängig von einem bestimmten Anbieter und dessen Technologie macht, sodass ein Umzug zu einem anderen Anbieter mit einigem Aufwand verbunden ist. Um dies zu vermeiden, hat einer unserer größten Kunden seine an das Internet angebundene Infrastruktur auf zwei Hyperscaler und eine Private Cloud in einem unserer Rechenzentren verteilt. Mit einem solchen Multi-Cloud-Hochverfügbarkeitskonzept wird auch das Ausfallrisiko deutlich reduziert. Laut Cloud Monitor hatten im letzten Jahr 69 % der Befragten einen Ausfall ihrer Cloudservices zu beklagen.

Was schließlich den Aufwand solcher Multi-Cloud-Lösungen angeht, so unterstützen wir unsere Kunden von der Planung über die Migration bis hin zum Betrieb und der stetigen Optimierung. Die Kunden können den Weg der digitalen Transformation gemeinsam mit uns gehen und müssen keine harte Disruption fürchten.
Sie haben Ihr eigenes Plusserver-Rechenzentrum sowie die Zusammenarbeit mit AWS und Microsoft bereits angesprochen: Beide Partner bieten mittlerweile neben den Public-Cloud- auch Private-Cloud-Lösungen an.

Für welche Anwendungen/Kunden kommt welches Rechenzentrum-Modell mit welchen jeweiligen Vorteilen in Betracht?

H. Müller: Es kommt ganz darauf an, welche konkreten Anforderungen unsere Kunden haben. Die meisten Kunden, die Wert auf eine agile Skalierung der benötigten Ressourcen legen, entscheiden sich in Kombination mit Office 365 für die Public-Cloud-Variante. Diese beziehen sie entweder von den Hyperscalern oder nutzen das Public-Cloud-Angebot aus unseren Rechenzentren in Köln und Hamburg. Bei letzterem profitieren unsere Kunden von Verträgen nach deutschem Recht.

Kunden, die sich für eine Private-Cloud-Lösung entscheiden, wählen meist die individuell konzipierte Lösung bei uns im Rechenzentrum. Die Angebote und Vertragsgestaltung der Hyperscaler ist meist zu starr und bringt auch keine wirtschaftlichen Vorteile. Nutzer dieser Private Clouds bei AWS, Google und Microsoft sind tendenziell eher große Unternehmen, die ohnehin eine Vorreiterrolle bei neuen Methoden und Technologien einnehmen. Mit eigenen „DevOps“-Teams haben sie die notwendigen Ressourcen, um cloudnative Applikationen zu entwickeln. Diese starten meist sehr klein und werden dann über Jahre weiterentwickelt, bis sie sukzessive die eher unflexiblen Legacy-Anwendungen ganz abgelöst haben. Für dieses Vorgehen sind die Hyperscaler AWS, Azure und GCP die geeigneten Partner.

Zusätzlich besteht die Möglichkeit, mehrere Cloudwelten miteinander zu verbinden. So bieten wir etwa Azure Stack als Pri­vate-Cloud-Lösung in unserem eigenen Rechenzentrum, also quasi als Variante unseres Managed-Private-Cloud-Angebots. Azure Stack liefert ein Subset der Funktionalität, die sonst nur in der Public Cloud von Microsoft zu finden ist – mit allen Vor- und Nachteilen einer Private Cloud. Für die Einführung dieses Produkts haben wir uns unter anderem aus dem Grunde entschieden, weil unsere Kunden die Flexibilität und vielseitigen Services der Public Cloud zu schätzen wissen, aber auch die Vorteile der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit uns auf Augen­höhe sowie Services „made in Germany“ nicht missen möchten.

Plusserver setzt auf ein breites Partnernetzwerk, unter anderem beim Thema Cloudlösungen

 

Sie weisen mehr als 4.000 Unternehmenskunden aus. Bitte zeigen Sie am Beispiel eines Mittelständlers aus dem industriellen Umfeld ein erfolgreich realisiertes Managed-Cloud-Kundenprojekt auf. Bitte erläutern Sie auch den konkreten Kundennutzen.

H. Müller: Einer der führenden Hersteller von Heizungsanlagen in Deutschland nutzt eine Managed-Cloud-Lösung von Plusserver, um Daten von privaten Gasheizungsgeräten zu sammeln und für den Anwender auszuwerten. In Kombination mit einer Mobile App auf dem Smartphone kann der private Anwender seine Daten visualisieren, erhält so einen guten Überblick über seinen Verbrauch und kann diesen optimieren. Zusätzlich stehen in der App zahlreiche nützliche Funktionen wie individuelle Nutzungsprofile zur Verfügung.

Auch ein Remote-Zugriff für Heizungsinstallateure auf die Anlage ist möglich, um nötige Analysen und Reparaturen zu beschleunigen. Mit diesen Services bietet unser Kunde seinen Endkunden einen echten Mehrwert. Die Steuerung der eigenen Heizung und auch die not-wendige Verarbeitung von personenbezogenen Daten unter Berücksichtigung des Datenschutzes stellen aber auch erhöhte Anforderungen an die IT-Sicherheit. Diese galt es in unserer Lösung zu berücksichtigen. DDoS-Angriffe müssen frühzeitig erkannt und mitigiert werden. Auch SIEM (Security Information and Event Management) ist ein wichtiger Baustein im Sicherheitskonzept. Rund um die Uhr sind unsere zertifizierten Servicetechniker für den ausfallsicheren Betrieb im Einsatz: Unser 24/7 mit eigenem Personal besetzten Service Desk bietet unseren Kunden einen persönlichen Ansprechpartner bei technischen Fragen. Für die Zusammenarbeit mit Plusserver hat sich der Kunde seinerzeit entschieden, da die interne IT-Abteilung diese besonderen Anforderungen nicht mit wirtschaftlich vertretbarem Aufwand hätte erfüllen können.

Wie wird sich aus Ihrer Sicht der Markt für Cloudlösungen in Deutschland in den nächsten drei Jahren verändern/weiterentwickeln?

H. Müller: Der Cloud Monitor 2018 zeigt einen klaren Trend in die Public Cloud auf. Insbesondere die deutliche Zunahme der Planer und Diskutierer lässt darauf schließen, dass die Nutzung der Public Cloud auch in Deutschland in den kommenden Jahren weiter steigen wird. Die zunehmende Anzahl an Gesprächen mit unseren Kunden zur Nutzung der Public Cloud bestätigen diese Einschätzung. Einige stellen die Weichen gar mit einer „Cloud first“-Strategie ganz klar in diese Richtung.

Ich sehe zwei recht unterschiedliche Treiber für die zunehmende Nutzung der Public Cloud: Lift-and-Shift und Born-in-the-Cloud. Mit Lift-and-Shift werden bestehende Applikationen, die zu einem Großteil bereits in virtuellen Maschinen laufen, in eine Private oder Public Cloud migriert. Bei statischen Workloads bringt dies in der Regel keine Kostenvorteile – eher im Gegenteil. Allerdings wird das Konzept mit der parallelen Entwicklung von Born-in-the-Cloud-Applikationen wirtschaftlich interessant: Die benötigten Ressourcen für die Legacy-Applikationen nehmen kontinuierlich ab. Meist lohnt sich ab einem gewissen Punkt der Eigenbetrieb im nun viel zu groß gewordenen eigenen Rechenzentrum nicht mehr. In der Cloud – und bei unseren Kunden oftmals bei uns im Rechenzentrum – können die Ressourcen kontinuierlich reduziert werden. Im Gegenzug ist es möglich, die zusätzlichen Ressourcen für die neuen Applikationen dynamisch zu erweitern. Auch temporär für Test- und Entwicklungssysteme benötigte Ressourcen sind flexibel nutzbar.

Außerdem wird der Trend in Richtung Public Cloud durch die fortschreitende Digitalisierung von Geschäftsmodellen und die zunehmende Nutzung des Internet of Things (IoT) sowie von mobilen Endgeräten weiter beschleunigt. Insbesondere Deutschland als Industrienation wird mit dem Durchbruch des Industrial Internet of Things (IIoT) und der schon legendären Losgröße 1 in der Produktion einen wahren Schub in der Cloudnutzung erleben.

www.plusserver.com