Ganzheitlich zu digitalen Geschäftsmodellen

Weshalb wird dem Begriff der digitalen Geschäftsmodelle aktuell solch eine hohe Bedeutung zugewiesen? Wieso tun sich Unternehmen häufig so schwer damit? Der Geschäftsmodellexperte und Managing Partner des BMI Lab Deutschland, Georg von der Ropp, gibt Einblicke in die Thematik und Handlungsempfehlungen für produzierende Unternehmen mit auf den Weg.

Das Geschäftsmodelldreieck

Gibt es Möglichkeiten, wie sich diese Probleme managen oder lösen lassen?

G. von der Ropp: Hierbei hilft ein systematischer Ansatz wie der Business Model Navigator. Damit werden Kundenprobleme und Lösungsideen getestet, ohne dass das Produkt komplett entwickelt werden muss. Zudem wird frühzeitig geprüft, ob sich damit überhaupt ein profitables Geschäft entwickeln lässt. Konkret sehen wir bei der Erstellung neuer Industrie-4.0- oder Big-Data-Services bei den meisten Unternehmen, dass die Erfassung aller verfügbaren Daten und deren Darstellung nicht automatisch echten Nutzen für deren Kunden schafft. Unternehmen setzen also häufig auf technologische Lösungen, ohne die Bedürfnisse und Probleme ihrer Kunden zu bewerten, und erarbeiten letztlich einen Service, für den niemand bezahlt. Ein positives Beispiel aus der Verpackungsindustrie: ein Hersteller von Verpackungsmaschinen hatte angefangen, seine Maschinen mittels des Frameworks der blu-Gruppe zu vernetzen und die entstehenden Daten zentral zu erfassen. Aufbauend auf diesen Daten konnten in einem nächsten Schritt die weltweit bei unterschiedlichen Unternehmen stehenden Anlagen verglichen werden. Dies erlaubte es, Best Practices und Anlageneffizienzen zu vergleichen. Die Erkenntnis: über die Hälfte der Maschinen liefen mit einer um mindestens 30 % verringerten Effizienz. Diese Erkenntnis konnte der Hersteller nutzen, um seinen Kunden konkrete Optimierungen anzubieten – und zwar genau für die ­Anlagen, bei welchen dies benötigt wurde. Die systematische Ausarbeitung des Geschäftsmodells ermöglicht es zudem, sogenanntes Revenue Sharing anzubieten. Hierbei könnte angeboten werden, die Anlageneffizienz um einen gewissen Grad zu steigern – und dies für einen Anteil der dadurch eingesparten Kosten. In erster Linie geht es also darum, echten Mehrwert für den Kunden zu schaffen. Ein IoT-Framework wie von der blu-Gruppe hilft hierbei, da es schnell und schnittstellenunabhängig implementiert werden kann und durch die Flexibilität dafür sorgt, dass nur die benötigten Services gemeinsam entwickelt werden. So steht der Kunde beim gesamten Vorgehen im Fokus.