Künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch

Künstliche Intelligenz (KI) war eines der Trendthemen der diesjährigen Hannover Messe. Doch obwohl sich alle der herausragenden Bedeutung des Themas rund um die Digitalisierung und Industrie 4.0 bewusst zu sein scheinen, mahnen Verbände, dass Deutschland den Anschluss verlieren könnte. Parallel zeigen Unternehmen, wie Beckhoff, Festo, Schunk und Siemens, Innovationen und eigene Wege in die KI-Zukunft.

Ein Ergebnis des aktuellen VDE Tec Report 2019 „Industrielle KI – Die nächste Stufe der Industrialisierung?“ (Bild: VDE)

Selbstständig agierende Handlingsysteme zum Ziel

Auch Schunk sieht im Einsatz von KI große Potenziale für sich bzw. seine Kunden und hat sich dazu einen Partner ins Boot geholt: In Hannover wurde die Kooperation mit dem Pariser KI-Spezialisten Anotherbrain bekannt gegeben. Bis Anfang 2020 soll ein erstes autonom agierendes Greifsystem entwickelt werden, das eine eigenständige Handhabung ohne manuelle Programmierung ermöglicht. „Mit der Zusammenarbeit wollen wir den Einsatz der Künstlichen Intelligenz in Handhabung und Montage forcieren und neuartige Handlingszenarien in der smarten Fabrik, aber auch in der Servicerobotik ermöglichen“, sagte der geschäftsführende Gesellschafter, CEO, ­Henrik A. Schunk, bei der Vertragsunterzeichnung.

Ziel von Schunk ist es, zukünftig selbstständiger agierende Handlinglösungen anzubieten. Erste Technologiestudien dazu wurden auf der Hannover Messe gezeigt. Statt Positionen, Geschwindigkeiten und Greifkräfte Schritt für Schritt einzeln zu definieren, erfassen autonome Greifsysteme ihre Zielobjekte über Kameras, übernehmen selbstständig die Greifplanung und verfeinern diese immer weiter. Über entsprechende Sensorik in den Greiferfingern, den Motorstrom sowie eine in die Greifhand integrierte Intelligenz kann die Güte eines Griffs erfasst und ­bewertet werden, um gegebenenfalls nachzuregeln. „Die Zusammenarbeit von Schunk mit Anotherbrain wird den Fort­-schritt beim autonomen Handling enorm beschleunigen“, ist ­Henrik A. Schunk überzeugt. Anotherbrain verfüge über exzellentes Know-how, um autonome Greifszenarien zu realisieren. Deren Gründer und CEO, Robotikpionier Bruno Maisonnier, hatte 2005 Aldebaran Robotics gegründet und 2008 den humanoiden Roboter Nao auf den Markt gebracht. Im Gegensatz zum bislang etablierten Deep Learning, bei dem mit hohem Aufwand eine Vielzahl von Daten generiert und ausgewertet werden, verfolgt Anotherbrain mit dem bionisch inspirierten Konzept der Organic AI einen neuartigen Ansatz des maschinellen Lernens. Unabhängig von Clouds und Netzwerken sowie mit minimalem Energie- und Speicherbedarf sollen Schunk-Greifsysteme mit der vom menschlichen Gehirn inspirierten Technologie in die Lage versetzt werden, autonom zu agieren. Anfang 2020 will das Unternehmen dazu Details zeigen.


Intelligent Greifen: Schunk-Markenbotschafter Jens Lehmann testete, welche Möglichkeiten im Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Handhabung stecken (Bild: Schunk)