VDMA korrigiert Produktionsprognose für 2019 erneut nach unten

Bereits im April hatte der VDMA seine Anfang des Jahres gesteckte Produktionsprognose für den Maschinenbau von 2 % auf 1 % Wachstum korrigiert. Auf einer Konjunkturpressekonferenz am 2. Juli verkündete der VDMA-Präsident nun, dass der Branchenverband aktuell sogar mit einem Produktionsminus von 2 % für 2019 rechne.

 

 

Die Auftragslage und die reale Produktion haben sich nach Angaben des VDMA in nahezu allen Maschinenbaubranchen in den ersten Monaten des laufenden Jahres abgeschwächt. Eine Besserung sei derzeit nicht in Sicht. „Deshalb ist eine Revision unserer Prognose unumgänglich, wir rechnen für 2019 nun mit einem realen Minus der Produktion von 2 %“, sagte VDMA-Präsident Carl Martin Welcker im Pressegespräch. Dies gelte trotz der hohen Auftragsbestände, die im April für 8,5 Monate reichten. So seien diese über die Unternehmen und Branchen ungleich verteilt und könnten das starke Minus im Auftragseingang nicht bis zum Jahresende komplett abpuffern. "Neben der spürbaren zyklischen Abschwächung sind aus unserer Sicht vor allem geopolitische Verwerfungen für die aktuelle Lage im Maschinen- und Anlagenbau verantwortlich", gab er weiter an. Als konkrete Beispiele führte er den Handelsstreit zwischen den USA und China an, der "entgegen vieler Annahmen wieder eskaliert". Außerdem halte die Ungewissheit durch die erneute Verschiebung des Brexit an. Ungewissheit herrsche zudem in Bezug auf die drohenden Handelsbeschränkungen seitens der USA gegenüber der EU. "In Italien hat sich die Haushaltslage weiter verschlechtert; die italienische Regierung geht auf harten Konfrontationskurs zur Europäischen Kommission. Die Situation im Nahen Osten droht zu eskalieren, was weitere negative Effekte auf Investitionen zur Folge haben wird", berichtete er weiter.

In den ersten vier Monaten des laufenden Jahres stagnierte die Produktion im Maschinenbau im Vergleich zum Vorjahr, im April lag sie nach vorläufigen Zahlen um 0,8 % unter dem Vorjahreswert. Der Auftragseingang im Maschinenbau war in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres um 9 % geringer als im Vorjahr. Die Kapazitätsauslastung erreichte im April noch 87,4 %.

Hinzu kommt, dass sich die Automobilindustrie in einem tiefgreifenden Strukturwandel befindet, der auch die Kunden völlig verunsichert und der schneller als erwartet spürbare negative Effekte auf laufende und künftige Investitionsvorhaben hat. „All dies sorgt dafür, dass die Kunden der Maschinenbauer ihre Investitionen hinausschieben oder vorläufig einfrieren“, erläuterte VDMA-Chefvolkswirt Dr. Ralph Wiechers.

Dies bestätigte auch allgemein C. M. Welcker für sein eigenes Unternehmen: "Bei uns sind seit Februar 2019 massive Stornierungen eingegangen. Unsere Kunden fahren - fast schlimmer als zu Zeiten der Kriese 2008 - ihre Aufträge herunter", berichtet der Unternehmer. Das habe in seinem Unternehmen bereits zu Kurzarbeit in der Auftragsannahme geführt; in der Produktion würden derzeit die Langzeitkonten abgebaut.

Zwar können laut dem VDMA zahlreiche Unternehmen im Maschinenbau weiterhin auf gut gefüllte Auftragsbücher zurückgreifen und so Orderrückgänge noch eine Zeit lang abfedern. „Doch um die bestehende Prognose eines leichten Produktionszuwachses zu erreichen, wären deutlich bessere Daten für die kommenden Monate Pflicht. Nur ist fraglich, ob das in einem Umfeld der wieder aufflammenden Handelsstreitigkeiten in ausreichendem Maße gelingen kann. Und selbst eine zögerliche Belebung der Konjunktur im zweiten Halbjahr würde die Produktion im Maschinenbau erst zeitverzögert erreichen, das heißt der Branche im laufenden Jahr nicht mehr zu Gute kommen“, resümierte Dr. R. Wiechers.